22.11.2016 - "Salzburger Brauch"

Bräuche sind nicht etwas von gestern, sie sind für heute und morgen. Man taucht nicht ab in die Vergangenheit, sondern findet sich in der Gegenwart. Hinein geschaut ins Land haben der Salzburger Kulturjournalist Reinhard Kriechbaum und Erika Scherer, die Leiterin des Rupertus Verlags, mit ihrem Buch „Salzburger Brauch“. Tiefverwurzelt und lebendig beschreiben sie auf über 300 Seiten gelebtes Salzburger Brauchtum. Sie bringen uns den Ursprung des Adventkranzes nahe und erklären, wann der Krampus und wann der Percht unterwegs ist. Wieso hat ein Gründonnerstagsei eine besondere Kraft und weshalb verstecken es die Leute? Alte und neue Bräuche sind wunderbar beschrieben und illustriert. Das Buch, dessen Cover der Maler Johann Weyringer entworfen hat, ist in Kooperation mit Raiffeisen erschienen.

"Salzburger Brauch"
Bild v.l.: Gerald Jeitler (Lagerhaus Salzburg), Erika Scherer, Reinhard Kriechbaum und Dir. Heinrich Wimmer (Salzburger Raiffeisen Warenbetriebe)


Fast zwangsläufig verbindet man mit dem Wort „Brauch“ Begriffe wie „echt“ und „uralt“. Bräuche erscheinen vielen Leuten also als etwas, das es seit jeher gibt: gleichsam aus der Volksseele gewachsene Rituale und Gepflogenheiten. „Aber sind Bräuche wirklich etwas 'von einst', das sorgsam bewahrt und aufpoliert werden muss wie kostbare Museumsstücke?

Das Erntedankfest beispielsweise gibt es erst seit dreißig oder vierzig Jahren, und der Christbaum ist erst Anfang des 20. Jahrhunderts in die Bauernhäuser gekommen (in jene der Städter etwas früher). In den

1950er Jahren galt der Adventkranz hierzulande als etwas ganz Neues.

Die stetigen Veränderungen und kulturellen Wechselwirkungen im Brauchleben faszinieren Kriechbaum, den Chefredakteur der Salzburger Kulturzeitung im Internet, "DrehPunktKultur": „Wer nach Hintergründen sucht und nach der Entstehungsgeschichte von Bräuchen fragt, wird oft verblüffende kulturelle Zusammenhänge entdecken. Bräuche werden nämlich nur selten als Selbstzweck betrieben."

Das Buch zeigt, dass die Lebensumstände Bräuche genau so beeinflussen wie der „Zeitgeist“. Einmal hat die Landbevölkerung städtische Verhaltensweisen nachgemacht oder in der Fremde Beobachtetes zum Vorbild genommen. Ein andermal haben Städter ins Land geschaut und vermeintlich „Unverfälschtes“ imitiert, weil es ihnen so idyllisch und erstrebenswert erschien.

Bräuche ändern sich. Was nicht mehr verstanden wurde, ist im Lauf der Zeit verschwunden oder umgedeutet worden. Wenn im Advent „Anklöckler“ singend vor der Tür stehen, denkt heute niemand daran, dass in früherer Zeit viele arme Menschen sich auf diese Weise Nahrungsmittel erbettelt haben. Das Beschenken der Sänger war also eine so charmante wie notwendige Form von sozialer Hilfe für Bedürftige.

Besonders aufschlussreich sind die figurenreichen Perchtenbräuche: Viele Faschingsfiguren sind da hineingeraten in einen alten Jahreswechsel-Brauch. Als mit der Motorisierung die Zahl der Pferde rapide abnahm, schien das Aus für allerlei Bräuche rund ums Pferd gekommen. Jetzt, da das Pferd wieder neue Wertschätzung erfährt (in den vergangenen zwei Dezennien ist im Durchschnitt im Bundesland Salzburg pro Jahr ein neuer Reiterverein gegründet worden), verwundert es keineswegs, dass auch Georgi- und Leonhardi-Umritte wieder hoch im Kurs stehen.

„Herausgeber des Buches ist das Lagerhaus Salzburg“, freut sich Erika Scherer, die Leiterin des in Goldegg beheimateten Rupertus-Verlags. Sie hat sich als Bildredakteurin den Bräuchen gewidmet: „Direktor Heinrich Wimmer, der Leiter der Salzburger Raiffeisen Warenbetriebe, hat mich bereits bei vorangehenden Buchprojekten tatkräftig unterstützt.“ Erika Scherer ist die Autorin der beiden Bände „Halt aus Bauer“ über die Entwicklung der Landwirtschaft in Salzburg von den Anfängen bis in die Gegenwart. Diese Bücher wurden und werden über die Salzburger Lagerhäuser vertrieben. Natürlich ist „Salzburger Brauch“ auch im Buchhandel erhältlich. „Wichtig ist für Raiffeisen die Regionalität“, sagt Direktor Heinrich Wimmer. „Alle Bücher wurden zur Gänze in Salzburg produziert“, betont auch Erika Scherer. "Salzburger Brauch" ist nicht zuletzt ein Beitrag von Raiffeisen und Rupertus Verlag zum Landesjubiläum.
 



Reinhard Kriechbaum, Erika Scherer:

SALZBURGER BRAUCH
Format 21 x 28 cm, 344 Seiten, 580 Bilder, Euro 35,20
Rupertus Verlag mit Raiffeisen, Goldegg 2016

ISBN: 978-3-902317-19-3

http://www.rupertusverlag.at/