03.03.2017 - Eine neuer Leitbetrieb für die Salzburger Sportwelt

Die Bergbahnen AG Wagrain und der Raiffeisenverband Salzburg in Form seines Tochterunternehmens Fremdenverkehrs GmbH haben die Bergbahnen Flachau GmbH übernommen. Der Anteil der Bergbahnen AG Wagrain beträgt 74,9 Prozent, die Fremdenverkehrs GmbH hält 25,1 Prozent. Die Übernahme steht unter dem Vorbehalt, dass die zuständigen Gremien des Raiffeisenverbandes Salzburg sowie der Aufsichtsrat der Bergbahnen AG Wagrain zustimmen und auch keine kartellrechtlichen Hindernisse bestehen. Das gab der Generaldirektor des Raiffeisenverbandes Salzburg, Mag. Dr. Günther Reibersdorfer, in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Salzburger Landeshauptmann Dr. Wilfried Haslauer heute, Freitag, 3. März, in Salzburg bekannt. Die Bergbahnen Flachau werden vorläufig weiter als Tochterunternehmen in einer eigenen GmbH betrieben. 

Eine neuer Leitbetrieb für die Salzburger SportweltBild: V.l.: Generaldirektor Günther Reibersdorfer, Ernst Brandstätter, Landeshauptmann Wilfried Haslauer, Christoph Baumann und Andreas Derndorfer.

Reibersdorfer erläuterte, dass durch diese Akquisition eine der größten Seilbahngesellschaften in Österreich entstanden sei. Mit einem Umsatz von 52 Millionen Euro ist die neue Unternehmensgruppe nicht nur die größte Seilbahngesellschaft im Skiverbund Ski amadé, sondern auch unter den Top 10 in Österreich. Die neu formierte Gruppe verstehe sich auch als Leitbetrieb in der Salzburger Sportwelt, welche aus den acht Orten Flachau, Wagrain, Kleinarl, Altenmarkt/Zauchensee, Radstadt, Eben, Filzmoos und St. Johann/Alpendorf besteht und insgesamt auf 4,7 Millionen Nächtigungen pro Jahr verweisen kann. 

Zur Unternehmensgruppe gehören nicht nur die beiden Skigebiete Wagrain und Flachau, sondern auch die Seilbahnen in Eben im Pongau und – über eine Mehrheitsbeteiligung – die Bergbahnen Filzmoos GmbH. In der Gruppe betreuen bis zu 350 Mitarbeiter rund 112 Pistenkilometer und betreiben 46 Beförderungsanlagen, die mehr als 15 Millionen Menschen im Jahr transportieren. Jährlich werden im Betriebsgebiet der Seilbahngruppe rund 1,8 Millionen Besucher gezählt.

 

Wettbewerbsfähigkeit steigt

Der Kauf diene nicht dem Selbstzweck, betonte Reibersdorfer, sondern sei betriebswirtschaftlich und wirtschaftspolitisch von großer Bedeutung. Durch den gemeinsamen Betrieb des Skigebietes am Grafenberg und am Griessenkareck steige die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens. Die Gebiete Eben und Filzmoos würden durch ihre spezifischen Angebote, zum Beispiel für Kinder und Familien, das Portfolio der Gruppe und der Region gezielt ergänzen. „Wir bieten verschiedenen Zielgruppen in unserem Gebiet maßgeschneiderte Lösungen für Alpinsport und Bergurlaub an“, sagte Reibersdorfer.

Die Wettbewerbsfähigkeit werde aber auch durch die konsequente Bewirtschaftung aus einer Hand gestärkt. Aus einer nachbarlichen Beziehung mit einer gewissen Rivalität werde der gemeinsame, optimierte Betrieb des Skigebietes. Man werde in Zukunft Investitionen und Entwicklungsprojekte abstimmen, die Vermarktung intensivieren und auch Synergien im Betrieb nutzen. Diese Maßnahmen zielen alle darauf ab, dem Gast einen Mehrwert für seinen Aufenthalt zu bieten. Damit könne sich die Gruppe einen Vorteil im starken regionalen, nationalen und internationalen Wettbewerb verschaffen. Es sei zu früh, um über Details zu reden, weil diese noch nicht feststehen würden. Unter einem gemeinsamen Dach werde man aber zum Beispiel an einer optimierten Pistenführung, einer ganzheitlichen Bewirtschaftung der Parkflächen, an den Leitsystemen, der gemeinsamen Vermarktung oder gemeinsamen Events arbeiten. Reibersdorfer erinnerte daran, dass derzeit an einer Seilbahnverbindung von Wagrain nach Kleinarl gearbeitet werde und ähnliche Entwicklungsprojekte auch in Zukunft möglich und sinnvoll seien.

 

Wirtschaftliches und qualitatives Wachstum

Mit diesen Maßnahmen werde die Gruppe auch ihre wirtschaftlichen Ziele erreichen, betonte der Generaldirektor: „Wir wollen bei Umsatz und Ertrag wachsen und unsere ausgezeichnete Position nutzen, um weitere Marktanteile zu gewinnen. Deshalb benötigen wir trotz der Synergien im Betrieb alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir haben hochqualifizierte und motivierte Teams, die auch in Zukunft die Wertschöpfung der Gruppe tragen werden.“

Zum Interesse von Raiffeisen, das auch einen bestimmenden Einfluss bei der Bergbahnen AG Wagrain ausübt und deshalb dort den Vorsitzenden des Aufsichtsrates stellt, erläuterte Reibersdorfer, man sei in den Gebirgsgauen stark im Tourismus engagiert und habe deshalb auch dieses Projekt vorangetrieben. „Dieser neue Leitbetrieb in der Salzburger Sportwelt hilft mit, die touristischen Investitionen in der Region abzusichern und eine positive Stimmung bei den hunderten Unternehmern vor Ort zu unterstützen.“ Die regionalpolitische Verantwortung habe also für den Raiffeisenverband Salzburg eine Rolle bei seiner Entscheidung gespielt.

 

LH Haslauer: Wichtige touristische Infrastruktur bleibt in Salzburger Hand

Landeshauptmann Dr. Wilfried Haslauer wies darauf hin, dass Flachau und Wagrain schon seit 1966 über eine der ältesten Skischaukeln des Landes verbunden worden sind. Es sei von enormer Bedeutung, dass das Investitionsklimavertrauen in den Tourismus und damit die Leistungsfähigkeit der Region weiter gefördert werde. Immerhin würden in den acht Orten der Salzburger Sportwelt fast 37.000 Gästebetten stehen und alleine aus den Seilbahnen dieser Orte eine Wertschöpfung von 500 Millionen Euro erwachsen, was realistischer Weise durch keinen anderen Wirtschaftssektor ersetzt werden könnte. „Das Gebirge ist aufs engste mit dem Tourismus verbunden. Was diesen stärkt, ist auch dem Land höchst willkommen!“, so Haslauer. Gerade die Salzburger Sportwelt sei zu einem Hotspot der touristischen Wertschöpfung geworden. Dafür stehen sowohl die 4,7 Millionen Nächtigungen als auch die vielen innovativen und leistungsfähigen Tourismusbetriebe der Region.
 
„Durch diese Zusammenführung von zwei starken Seilbahnunternehmen ist gewährleistet, dass die Entscheidungen weiter in Salzburg gefällt werden“, sagte Haslauer weiter. Auch im Tourismus habe das Zeitalter der internationalen Investments längst begonnen. Er sehe es allerdings als vorteilhaft an, wenn Schlüsselbereiche wie die Seilbahnen als Basisinfrastruktur für den Alpintourismus in starken Tourismusregionen weiterhin heimisch bestimmt seien, so der Landeshauptmann abschließend.