08.03.2017 - So wirkt Trump auf die Wirtschaft (und China)

Kann uns egal sein, was US-Präsident Trump sagt oder twittert? Nein. Die USA sind mittlerweile nämlich der zweitwichtigste Exportmarkt Österreichs. Wie Trump die US-Wirtschaft steuern will, hat also direkte Auswirkungen auch auf heimische Unternehmen und Arbeitsplätze. Raiffeisen-Chefanalyst Peter Brezinschek hat die positiven und negativen Effekte bei einem Investment-Abend in der Bankhalle des Raiffeisenverbandes Salzburg aufgelistet.

Investmentabend So wirkt Trump auf die  Wirtschaft (und China)
Bild: Shi Ming, ein exzellenter Kenner der Volksrepublik China und Raiffeisen-Chefanalyst Peter Brezinschek informierten 250 Kundinnen und Kunden, Dir. Erich Ortner (r.) aus der Geschäftsleitung des RVS führte in den Abend ein. Der Raiffeisen Investmentabend ist seit Jahren eine außergewönliche, stark nachgefragte Veranstaltungsmarke. Die Bankhalle war bis auf den letzten Platz gefüllt. 

Auch wenn es durch die anstehenden Wahlen in den Niederlanden, in Frankreich, Deutschland und Italien zu Verschiebungen in Europa kommen kann, rechnet Brezinschek mit einer positiven Konjunkturentwicklung in Europa und den USA. Er ortet auch positive Seiten an der Politik von US-Präsident Trump: Ein angekündigtes Investitionsprogramm, Deregulierung und niedrigere Steuern für Unternehmen und Haushalte stünden auf der Habenseite.

Ob für Highways, Brücken oder Flughäfen – in die Infrastruktur sollen 1000 Milliarden Dollar (rund 944 Mrd. Euro) gepumpt werden. Das schafft Jobs und Aufträge für Unternehmen – was sich auf deren Aktienkurse auswirken wird. Aber auch etliche Gefahren lauern, etwa der Protektionismus: „Denn Außenhandel ist kein Nullsummenspiel“, sagte Brezinschek. Zudem werden Strafzölle auf Importgüter angedroht. Wenn da Wertschöpfungsketten zerrissen werden, könnte es an den Börsen leicht auch um 20 bis 25 Prozent nach unten gehen, warnt Brezinschek.

Wie deutlich Trump die Privathaushalte und die Unternehmen entlasten wird, ist noch offen. Klar ist aber, dass jede Steuersenkung Gelder frei macht – für Konsumausgaben oder Investitionen. Sie berge aber auch ein hohes Finanzierungsrisiko, "denn eine Steuersenkung ohne Gegenfinanzierung führt zu einem raschen Anstieg der öffentlichen Verschuldung", sagt Brezinschek.

 

Nichts Neues in Europa

Nach wie vor gebe es in Europa Liquidität im Überfluss und die expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank sei zur Normalität geworden. Durch diese „Draghi’sche Geldpolitik“ bleiben laut Peter Brezinschek die Zinsen und damit auch die Renditen noch länger im Keller. Brezinschek prognostiziert, dass das Zinsniveau bis zur zweiten Jahreshälfte 2018 an der Nulllinie bleiben und dann erst Schritt für Schritt ansteigen werde.

 

Was zeichnet sich in China ab?

Das sich rasant wandelnde geopolitische und wirtschaftliche Verhältnis zwischen den USA und China analysierte der aus Peking stammende und seit 1989 in Deutschland lebende Journalist, Jurist und Schriftsteller Shi Ming. Er konstatiert nicht weniger als eine "struktur- und konjunkturschwache, von den USA abhängige und auch militärisch darniederliegende Volksrepublik China", die nur mehr "aus einer Position der Schwäche heraus agiert" und Trumps Provokationen ("China ist ein Feind", "Die Ein-China-Politik ist verhandelbar" etc.) mit bloßer Appeasement-Politik begegnet. Aus Peking seien nur mehr leise Töne zu vernehmen. Hier zeichne sich ein geopolitischer Paradigmenwechsel ab. Ob Europa eine Option für China als Partner der Zukunft sein könnte, ließ Shi Ming offen.